"Mit Pferden clickern??"
Diese Frage stellte ich mir, kurz bevor ich Freunde in der Nähe von Berlin besuchte. Wie die meisten jungen Mädchen hatte ich damals auf übliche Art und Weise Reiten mehr oder weniger gelernt. Meine lange Reitpause nutzte ich, um mich mehr mit Hunden zu beschäftigen. Seit ca. 2 Jahren clickere ich erfolgreich mit diesen.
Tja, und nun standen diese 2 Pferde und 2 Ponies
im Offenstall. Zusammen mit der Stallbesitzerin fingen wir an die Leitstute zu
konditionieren. Der erste Unterschied zum Hund begann schon bei der
Konditionierung: Das Clickgeräusch gelangte in den Hintergrund und vielmehr
konditionierten wir den Griff in die Tasche. Doch durch einige Übungen
korrigierte sich der Fehler sozusagen von selbst. Wir begannen mit einem
Eimerdeckel als Target.
Nach nur 2 Sitzungen hatte die Stute das System
durchschaut und folgte dem Target. Wir begannen mit der nächsten Übung und
legten eine Reifen vor die Shatty. Schnell hatte sie raus, dass sie irgendetwas
mit dem Vorderbein und den Reifen tun sollte. Schon in der ersten Sitzung
erreichten wir unser Ziel: Die Stute stellte das Vorderbein gezielt in den
Reifen --> Click & Jackpot! War das alles Zufall oder hatte die Stute
tatsächlich das System der operanten Konditionierung so schnell verstanden??
Wir wollten es genau wissen. Nun nahmen wir als Ziel, dass Shatty das
"Nicken" lernen sollte. Also warteten wir, was sie uns anbieten
würde. Sie bot sämtliche erlernte Tricks an und wir konnten recht schnell die
Kopfbewegung nach unten mit dem Clicker einfangen. Die ständige Wiederholung
der Kopfbewegung bestätigte uns.
Parallel zur Leitstute fingen wir an den Wallach Lico zu clickern. Wie erwartet, tat er sich etwas schwerer. Übungen wie den Reifen erlernte er nicht so schnell. Dafür begriff auch er schnell den Sinn des Targets. Wir vertieften mit ihm das Apportieren eines kleinen Säckchens und bauten etwas seine Angst vor Planen ab.
Das Pferde-Clicker-Fieber hat uns gepackt! Ponystute
Yola wurde zum nächsten "Clicker-Opfer". Ihre Verfressenheit
stand ihr zuerst im Weg. Wir clickten daraufhin den Blick vom Leckerchen weg.
Somit war das Problem gelöst und es konnte losgehen. Auch sie reagierte in
kürzester Zeit auf das Targettraining. Auf die Plane stellen und zur Pylone
gehen waren ebenfalls kein Problem. Inzwischen mutig geworden, begaben wir uns
an echtes Problemverhalten. Die Ponystute mochte es nicht besprüht zu werden.
Wir fingen an, indem sich einer neben das Pony stellte, um ruhiges Verhalten zu
clicken und die andere betätigte aus der Ferne die Sprühflasche. In kürzester
Zeit konnte der Abstand zwischen Sprühflasche und Pony auf ein Minimum
verringert werden. Daraufhin imitierten wir die Problemsituation. Dem Pony
legten wir ein Halfter um, befestigten einen Führstrick daran und legten diesen
über den Anbindebalken. Wieder sprühte ich mit etwas Abstand zum Pferd. Das
klappte gut und deswegen sprühte ich in Richtung Pony. Auch das war kein
Problem, also sprühte ich auf die Beine. Das Pony blieb ruhig stehen -->
Click & Jackpot!
Die Tage waren leider viel zu schnell rum, bedenkt man, dass wir noch jede Menge Ideen hatten! Die Pferde hatten riesigen Spaß - zumindest standen sie alle um den Reitplatz herum und es war immer schwierig das gerade geclickte Pferd vom Reitplatz runterzubringen und nur ein einziges Pferd für die nächste Clickersitzung drauf zu bekommen.
Die Pferde begriffen die operante Konditionierung allesamt sehr schnell. Schön anzusehen waren besonders ihre Gesichter bei den Clickersitzungen. Man konnte die Denkerfalten förmlich sehen!
Mein Fazit: Es hat riesigen Spaß gemacht mit den Pferden zu arbeiten. Auch für Pferde scheint das Clickertraining eine herrliche Ausbildungsmethode zu sein!
Nähere Infos im Internet gibt es bei www.clickerreiter.de oder in der Mailingliste http://groups.yahoo.com/group/clickerreiter .
Des weiteren gibt es zu diesem Thema Bücher:
Alexandra Kurland - "Pferdetraining mit dem Clicker"
weitere Fotos
Das erste Bild zeigt den typischen Beginn einer Clickersitzung: Der Reifen wurde vor das Pferd gelegt und ich hatte Gelegenheit den ersten Blickkontakt mit dem Clicker einzufangen. Auf dem 2. Bild erkennt man, dass Shatty bewusst den Reifen mit dem Vorderbein berührt --> Click und die Belohnung gibt es auf dem 3. Bild.

Lico nimmt auf dem ersten Bild Kontakt mit der Stange auf. Im 2. Bild berührt er sie schon ungeduldig mit dem Vorderhuf.