Ein ausführliches AJT finden sie hier:
Im Rahmen meiner Hundeschule ist dieses Training erprobt. Doch mich interessiert besonders Ihre Meinung! Haben Sie Teile davon ausprobiert? Hat es geklappt? Gab es Schwierigkeiten? Bitte senden Sie mir ein Email über ihre eigenen Erfahrungen oder bei Fragen, Anregungen, Lob!
Vielen Dank, Pia C. Gröning
Anti-Jagd-Training
auf Basis Positiver Verstärkung
von
Pia C. Gröning (© 2001)
Voraussetzungen:
-
Grundkenntnisse in der Arbeit mit positiver Verstärkung
-
Konsequenz
-
Geduld
-
Brustgeschirr und Schleppleine
Was
ist Jagen?
Das Jagen ist ein starker und wichtiger Instinkt des Hundes, insofern, als dass dieser Instinkt der Nahrungsbeschaffung und somit dem Überleben dient.
Sobald sich etwas bewegt wird die Aufmerksamkeit und folgend das Jagen im Form von Nachrennen ausgelöst. Dies läuft im Hund ab, ähnlich des Drückens eines Alarmknopfes.
Das
Jagen kann man zunächst in drei Bereiche unterteilen:
-
eine Spur suchen
-
die Spur ausarbeiten (wichtigster Teil des Jagdverhaltens)
- die Beute fangen und töten
Grundsätzlich
gilt, dass Jagen selbstbestärkend ist. Die Ursachen, warum ein Hund
damit begonnen hat, können unterschiedlich sein:
a)
zu wenig Beschäftigung/Langeweile/Keine Aktion auf dem Spaziergang
b)
Erlernt, z.B. durch selbstständige Ernährung bei ehemaligen
Straßenhunden
c)
genetisch fixiert
d)
Jagen als Übersprungshandlung (Handlung, die aus einem Konflikt
entsprungen ist)
zu
a) Gegensteuern: Mehr Beschäftigung
im Sinne von Agility, Obedience/Dog
Dancing, Stöbern,
Fährten, Fahrrad fahren etc.; auf den Spaziergängen Übungen
aller Art von kleinen Kunststücken bis hin zu wichtigen Übungen; den Hund
denkerisch fördern und auslasten durch Suchspiele, Denkspiele, Clickersitzungen
usw.
zu c) kanalisieren in jagdähnlichen Spielen und Aufgaben, kontrollieren durch stetiges Üben, umlenken z.B. auf ausschließlich Vögel oder Mäuse oder Nasenarbeit, da diese ein jagdliches Element ist
zu d) Auslöser für die Übersprungshandlung beseitigen, Beispiel: Um eine Begegnung mit einer entgegenkommenden Meute von Hunden zu vermeiden, geht der Hund lieber ins Gebüsch und täuscht eine Jagd vor, Lösung: Hund ranrufen und einen großen Bogen gehen
Grundsätzlicher
Aufbau des Trainings:
Ansatzpunkt:
Der
Hund soll einen gewissen Radius um den Besitzer herum einhalten. Vorteil:
Der Hund befindet sich im Einwirkungskreis und kann dadurch am Jagen gehindert
werden.
Einzelheiten:
Dieser
Radius wird bestimmt durch die Länge der Schleppleine (stabiles
Nylonseil, wasserabweisend, leichter, stabiler Karabiner, im Bergsteigershop gut
erhältlich). Es sollen mindestens 10 Meter sein. Die Leine wird am besten am
Geschirr des Hundes befestigt und schleift auf den Boden mit. Nur im Notfall
dient sie durch „Drauftreten“ als Hinderung am Jagen. Zweckmäßig
ist es, die Leine auf möglichst jedem Spaziergang anzulegen und nicht nur in
wildreichen Gebieten, wo sie schnell zum Signal dafür werden würde.
Das
Ende der Leine ist gleichzeitig die Grenze des Radius. Der Hund lernt den
Radius einzuhalten, indem man an der Grenze den Hund zu sich ruft oder ihn mit
sitz/platz/steh/down stoppt oder mit warte/langsam innerhalb des Radius hält.
Viele Hunde mögen es, wenn die Belohnung (z.B. Leckerchen) gerollt oder
geworfen wird. Neigt der Hund dazu, weit vor dem Besitzer zu laufen, wirft man
die Belohnung gegen die Laufrichtung, also nach hinten. Damit wird der Hund nach
Hinten bestärkt.
Kreativität
ist gefragt! Kleine Übungen, Kunststücke, „Bleib“-Übungen, Stöbern,
Suchen, Spiele, usw. hellen die anfangs recht anstrengenden Spaziergänge
auf. Auch wenn es mal nicht so toll klappt, sollte man stets geduldig bleiben. Für
Leute, die ihre Stimme nicht so gut kontrollieren können, bietet sich eine Pfeife
an. Wichtig ist ausschließlich in reizarmen Gegenden spazieren zu
gehen.
Bald
wird der Hund anfangen von sich aus den Radius einzuhalten, indem er z.B. stehen
bleibt, langsamer geht, öfter schnüffelt oder Gras frisst usw. Diese Ansätze
müssen unbedingt von Seiten des Besitzers positiv verstärkt werden (z.B.
Click & Belohnung).
Hat
der Hund den Radius akzeptiert, kann man sich in reizhaltigere Gebiete (z.B.
Wald) wagen zwecks Generalisierung. Meistens muss man ein gutes Stück im Training zurückgehen,
erreicht aber bald den vorherigen Standard.
Parallel dazu ist es sinnvoll einige (oder alle) der folgenden Ideen und Übungen für sich zu übernehmen und in den Spaziergeh-Alltag einfließen zu lassen:
Ein
ausgewähltes Wort oder Geräusch wird klassisch konditioniert. Wenn dieses Wort
ertönt (bei uns: uiuiui), dann folgt immer etwas ganz Tolles (bei uns: Mäuse
buddeln oder Leckerchen suchen). Was für den Hund am attraktivsten ist, findet
man durch Beobachtung schnell heraus.
Ziel des Superwortes ist es, in reizarmen Situationen aufgebaut zu werden und später in reizreichen Situationen als Reflex zu fungieren, so dass die Motivation zum Jagen (die immer sehr hoch ist) nicht mit der Motivation z.B. zum Kommen konkurriert. Der Aufbau eines Superwortes muss sehr gewissenhaft erfolgen. Mehr dazu unter dem Stichwort Generalisierung weiter unten im Text.
Blickkontakt
Die
meisten Hunde schauen noch mal kurz zum Besitzer bevor sie sich
auf und
davon machen. Man muss ganz genau hinschauen und diese
Bruchteil der Sekunde
nutzen! Nutzen im Sinne von ein Signal geben, Superwort einsetzen etc.
Als
Signal hat sich bei Eika mein Umkehr-Signal "go back" in Kombination
mit Umdrehen und Weggehen meinerseits (Orientierungsreflex) am
wirkungsvollsten gezeigt. Allgemein ist es immer sinnvoll, dass der Hund öfter
Blickkontakt aufnimmt.
Dabei
ist mir aufgefallen, dass z.B. viele Schäferhunde das automatisch anbieten
hingegen Jagdhunde dieses Verhalten erst erlernen.
Man
hat drei Möglichkeiten den Blickkontakt aufzubessern:
a)
für den Blickkontakt ein Signal einführen und besonders in reizreichen
Gebieten einfordern
b)
jeden Blickkontakt einfangen, den der Hund freiwillig bietet (am besten
mit Clicker)
c)
öfter den Weg wechseln, sich verstecken, umkehren usw.
zu a) besonders für Hunde geeignet, die keinen Blickkontakt von
sich aus anbieten. Nach einiger Zeit wird der Hund dazu übergehen ohne
Aufforderung Blickkontakt anzubieten, der dann auf jeden Fall bestärkt
werden muss. Nach gegebenen Signal für Blickkontakt, kann man dem Hund ein
Sichtzeichen anbieten (z.B. Sitz).
zu b) erfordert viel Konzentration von Seiten des Besitzers (sozusagen immer Blick auf Hund und gleichzeitig Clicker zum Einsatz bereit in der Hand). Am Anfang hat Eika sich bis zu 500 m entfernt bevor sie mal zu mir geschaut hat. Insofern hatte ich selten Gelegenheit Blickkontakt zu clicken.
zu c) Sehr wirkungsvoll. Am Anfang schaut sich der Hund eventuell nach größerer Entfernung erst um. Insofern verlässt er den Radius und somit meinen Einwirkungsbereich. Diese Taktik also nur in wildarmen Gebieten anwenden.

Hat
der Hund z.B. Interesse am Buddeln, dann würde ich ihm dieses Vergnügen
lassen. Man sollte bedenken, dass sich im Hund durch die Tatsache, dass er
seinen Jagdtrieb nicht ausleben darf, Frust aufbaut. Frust bedeutet Stress.
Warum man Stress beim Hund vermeiden sollte, kann im Rahmen dieses Artikels
leider nicht erörtert werden. 
Kann sich der Hund für kein „ungefährliches Jagen“ begeistern, sollte man versuchen Ersatzspiele zu finden (z.B. Apportieren, Stöbern, Fährten, etc.).
Nicht-Hören
gelernt:
Bedenkt
man, dass der Hund gelernt haben kann, dass ein Signal vom Hundehalter nicht
immer befolgt werden muss (z.B. wenn man ihn ruft, obwohl man weiß, dass er
nicht kommen wird), dann muss der Hund erst mal lernen, dass auf ein Signal
ein Tun seinerseits zu folgen hat. Dies lernt er automatisch, da er durch
die Schleppleine bedingt nicht Jagen kann und das Schleppleinentraining
allgemein Konsequenz von Seiten des Hundeführers gegenüber dem Hund
fordert. Trotzdem sollte man das immer im
Hinterkopf behalten, um die Reaktionen des Hundes besser verstehen zu können
und selbst keinen Unmut aufzubauen.
Crossover:
Ist
(Sind) der Hund, der Hundeführer oder Beide sogenannte Crossover (Umsteiger von
aversiven Methoden auf positive Verstärkung), so sollte man besonders darauf
achten, dass die angewandten Signale für die Einhaltung des Radius positiv
belegt sind.
Möglichkeiten:
Gegenkonditionierung oder Neuaufbau.
Bei
der Gegenkonditionierung bleibt das Signal für eine Übung bestehen,
aber es wird positiv belegt, indem man diese Übung stetig belohnt.
Besser
ist ein Neuaufbau. Eine Übung wird durch Shaping (Formung eines
Verhaltens) komplett neu aufgebaut und bekommt ein neues Signal.
Deswegen
ist es wichtig die Generalisierung der einzelnen Übungen zu beachten. Man kann z.B.
„Sitz“ zur Einhaltung des Radius nicht nutzen, wenn es bis jetzt nur im Haus
geübt wurde und somit in einer reizarmen Gegend noch nicht generalisiert ist.
Ist die Generalisierung der Übung "Komm" ausreichend (!) an diversen Orten vorgenommen worden, sollte man das "Komm" noch weiter vertiefen. Da selten Wild zu Übungszwecken zur Verfügung steht, gibt es einige Übungen die ähnliche Bedingungen bieten und zur Vertiefung beitragen können.
Scout aus den USA
Überlegungen:
-
Das,
was den Hund am meisten ablenkt, ist gleichzeitig die größte Verstärkung!
Konnte
man seinen Hund z.B. von der Jagd auf eine Vogel abrufen, so ist die größte
Belohnung den Vogel nach erfolgreichen kommen (gefahrlos!!!) jagen zu dürfen.
Man setzt also das Jagen selbst als Belohnung ein, aber kontrolliert!
- Das Vorstehen bzw. das Stehen bleiben bei der Erörterung von Wild belohnen
Vorstehjagdhundrassen wie z.B. der Pointer, der Große Münsterländer, u.a. sollen den Aufenthaltsort des versteckten Wildes anzeigen. Die typische Vorstehhaltung sieht man auf dem Bild von Scout beispielhaft. Der Hund zeigt damit seinen Jäger an, dass sich vor ihm im hohen Gras, Gebüsch usw. Wild versteckt. Andere Hunderassen nehmen vielleicht nicht diese Vorstehhaltung ein, aber bleiben zumindest stehen und fixieren einen Punkt. Genau in dem Moment ist es sinnvoll seinen Hund zu loben oder optimalerweise dieses Verhalten zu clicken. Dies klingt im ersten Moment paradox, weil der Hund in seinem Interesse für Wild nicht auch noch bestärkt werden soll. Es gibt dazu drei Gedanken:
a) ein Hund der steht, kann kein Wild jagen. Nach und nach steht er vielleicht so lange, bis ich ihn in Ruhe anleinen und mitnehmen kann.
b) das Anzeigen von Wild akzeptiert der Hund eventuell als Alternativverhalten zum Jagen

Dieser Herdenschutzhund sieht in der Ferne ein Reh. Das wäre der richtige Moment zum Clicken.
c) Ich kann leider (noch) nicht den biologischen Prozess erklären, der beim Loben des Vorstehens abläuft. Aber ich habe folgende Beobachtung gemacht: Mein Hund ist im Zustand des Vorstehens nicht ansprechbar gewesen. Anfangs hat er nach dem Click das Wild (meistens einen Fasan) hochgemacht. Nach und nach war mein Hund immer ansprechbarer. Z.B. konnte ich nach dem Click ein Leckerchen neben ihn auf den Boden werfen. Statt das Wild hoch zu machen, suchte er nun das Leckerchen. Inzwischen kann ich ihn ins Sitz rufen und in aller Ruhe abholen oder ein Leckerchen als Belohnung werfen.
- Zum Jagen geschickt werden, macht nur halb so viel Spaß!
Schickt man seinen Hund gezielt ins Feld, wird er wahrscheinlich etwas irritiert und unschlüssig sein. Sobald er die Nase senkt, kann man wunderbar das Abrufen üben, da diese Anforderung sehr niedrig ist. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die gerade aufgenommene Fährte eher uninteressant ist. Ebenso lässt sich das auf den Weg Zurückkehren üben. Man schafft dadurch eine abschätzbare Trainingssituation.
Hinweis:
Falls
der Hund sich aus irgendeinem Grund aus dem Einwirkungskreis entzieht und jagen
geht, verhält man sich am besten möglichst ruhig, ruft nicht und wird nicht böse,
wenn er zurück kommt! Für ein erfolgreiches Training ist dieser Rückfall
weder förderlich noch dramatisch.
Fazit:
Mit
dem Thema Jagen habe ich mich schon seit längerer Zeit beschäftigt, da ich
durch Eika bedingt selbst betroffen bin. Der Text ist keineswegs vollständig,
aber ich werde ihn regelmäßig überarbeiten.
Selbst
bekannte Verhaltensforscher wie z.B. Günther Bloch behaupten, dass Jagen nicht
durch ausschließliche Anwendung von positiver Verstärkung in den Griff zu
bekommen ist. Wer weiß? Wenn man bedenkt, dass die wenigsten Jäger ihren
Jagdhund 100%ig unter Kontrolle haben, scheint die Anwendung von Strafe auch
keine Garantie zu geben. Um Strafe im Bezug auf Jagen überhaupt halbwegs
erfolgreich einsetzen zu können, bedarf es sehr schwerer Strafen (wie z.B.
Stromreizgeräte). Denn mit aversiven Mitteln wie Leinenruck & Co. lässt
sich ein passionierter Jäger nicht einschüchtern. Warum Stromreizgeräte
inakzeptabel sind: hier.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man seinen Jagdhund zumindest zu einem angenehmen Begleiter machen kann, der in vielen Situationen abrufbar ist. Kann man damit nicht bestens leben?

Quelle: Dieser Text ist das Ergebnis von vielen Diskussionen zum Thema Jagen in diversen Mailinglisten.
Letztes Update dieses Textes: 28.09.2003