Angefangen hat alles damit ,dass ich unbedingt einen Hunde wollte. Ein
Bekannter von mir, der Förster ist, vermittelte uns unseren ersten Hund.
Eine GM Hündin von einem Jahr, die für den Züchter wegen Jagduntauglichkeit
unbrauchbar war.
Wir also dort hin, und es war Liebe auf den ersten Blick. Auch meinen Mann
hatte sie ruckzuck um den Finger gewickelt (besser gesagt Pfote). Sie war
total unterernährt, hatte Hautentzündungen und vor allem war sie ängstlich
ohne Ende. Allein in die Hände klatschen, ließ sie schon zusammenzucken.
Völlig ahnungslos, was da mit einem GM auf uns zukommt, zog sie noch am
selben Tag bei uns ein.
Ja, Jagduntauglich war sie vielleicht, aber dass hieß nicht dass sie keinen
Jagdtrieb hatte :-)
Aber jetzt war sie bei uns und wir gingen es an.
Was soll ich sagen, nach einem halben Jahr, hatten wir einen komplett
anderen Hund.
Sie ist zwar immer noch nicht der selbstbewussteste Hund, aber ihre Angst
vor allem, hat sich bestens gelegt. Nach fast zwei Jahren, ist sie nun so
weit, dass wir jagdtechnisch nur noch Probleme haben, wenn ein Hase ihr
direkt vor die Nase läuft. Und ihr Gehorsam ist klasse.

Daraufhin kam uns dann der Gedanke, uns einen Zweithund anzuschaffen.
Alleine war ich eh nie unterwegs, ich hatte immer den Dalmi von unseren
Nachbarn dabei.
Ich also ins Internet und nach GM in Not gesucht.
So hab ich auch Pia kennengelernt, die damals Trix noch als Pflegehund bei
sich hatte.
Trix gefiel mir sehr gut, aber letztendlich haben wir uns wegen des
Altersunterschiedes gegen ihn entschieden.
Der nächste Kandidat war dann Aeppel, der in Duisburg im Tierheim saß und
das schon seit zwei Jahren.
Mein Mann rief dort an und es hieß er hätte die Nachbarin gebissen, die
unbemerkt das Grundstück betrat. Außerdem hätte es auch schon mehrere
Beißunfälle im Tierheim gegeben und er sei unberechenbar.
Also hakten wir Aeppel erst mal ab.
Eines Tages berichtete Pia im Jagdhundehalterforum, dass sie die Arbeit mit
einem GM Namens Aeppel aufgenommen hätte.
Ich erzählte ihr, dass wir dort schon angerufen hätten und sie meinte auch,
dass er wahrscheinlich nichts für uns sei, nach alldem, was sie bis jetzt
über ihn erfahren hat.
Tja, und nach einigen Wochen mailte sie mir, ob wir nicht doch Aeppel holen
wollten, da er sich bei der Arbeit mit ihr ganz anders zeigte.
Sie verwies mich auch auf das Yorkie Forum,in dem sie genau beschrieb,was
sie alles mit unternahm.
Ich war hin und her gerissen.
Einerseits wollte ich ihn da aus dem Tierheim raus haben, andererseits hatte
ich Angst, ob ich nicht doch mit solch einem Hund überfordert wäre.
Nach langen Überlegungen und hin und her und nein und ja, entschlossen wir
uns dann, wenigstens mal hinzufahren und ihn uns anzuschauen.
Da wir eine Anfahrt von drei Stunden hatten, meinte mein Mann, wenn wir
jetzt da hin fahren, holen wir ihn auch gleich mit.
Im Tierheim angekommen, trafen wir uns mit dem Gassigeher von Aeppel. Pia
wollte eigentlich auch kommen, aber sie hatte an dem Tag ein Seminar.
Wir gingen also erst mal spazieren und er machte auf mich gar keinen
aggressiven Eindruck. Zuerst bekam er mal Haue von meiner Hündin, deren
einziges Manko ist, dass sie nicht viel von ihren Artgenossen hält.
Aeppel zeigte sich sehr souverän, egal wer uns begegnete oder an uns vorbei
ging. Ob Mensch oder Hund.
Auch sein Gassigeher meinte, er hätte in den zwei Jahren noch nie Probleme
mit ihm gehabt.
Dann folgte das Schwerste. Wir mussten den Tierheimleuten klar machen, dass
wir Aeppel gleich mitholen wollten, weil es uns echt zuviel war 3 bis 5 mal
die weite Fahrt anzutreten.
Sie meinten aber, aufgrund er so ein Problemhund sei, ginge das nicht.
Nach langem Hin und Her schritt dann der Gassigeher ein und sagte, er würde
auf seine Kosten mit uns fahren, sich bei uns ein Zimmer holen und 3 Tage
bleiben, um sich alles anzuschauen und dann Bericht zu erstatten.
Darauf ließen sie sich dann ein. Fanden wir unheimlich toll von dem Mann!!!
Er hing selbst sehr an Aeppel und wollte ihn auch zu sich nehmen, aber das
scheiterte an den Katzen seiner Frau.
Aeppel zog also bei uns ein. Am Anfang beachtete er uns nicht sehr, da er sehr
auf seinen Gassigeher fixiert war. Aber das änderte sich schnell als dieser
dann wieder heimfuhr.
Aeppel hatte die Angewohnheit, dass er zur Begrüßung, an Leuten
hochsprang, sie ins Gesicht knappte und ihren Arm in seinen Fang nahm. Das
wurde ihm auch als Aggression ausgelegt.
In genau vier Tagen hatten wir ihm das abgewöhnt, indem wir ihn erst
begrüßten, wenn er das Kommando Sitz befolgte und dann wurde geknuddelt und
Leckerlis gegeben.
Die zweite Sache war, dass es hieß, wir müssten bei Besuchern aufpassen, da er
einen sehr ausgeprägten Schutz und Wachtrieb hätte.
Am Anfang wenn es klingelte, sicherten wir ihn mit einer Leine und er musste
Platz machen. Alles unter Einsatz von Leckerlis, da steht er voll drauf.
Auch die Besucher wurden vorher mit Leckerlis bewaffnet. Dann durfte er
hin, sich sein Leckerli holen und musste sich dann solange der Besuch da war
hinlegen.
Wo er früher beim Ertönen der Klingel in Vollberasung hingelaufen
ist, schlägt er heute an, dann muss er Platz machen und ist auch gleich
entspannter. Dann darf er zu den Leuten in Erwartung eines Leckers und legt
sich dann von alleine hin und pooft.
Aeppel war übrigens total verfilzt und hatte eine unbehandelte
Gehörgangsentzündung.
Nachdem er beim Tierarzt war und sich fast auf die Ärztin gestürzt
hätte, wäre er nicht durch meinen Mann abgesichert gewesen, stellte sich die
Frage, wie bekomme ich die Tropfen in seine Ohren ohne gebissen zu werden?
Von den Tierheimleuten wussten wir, dass er zum Beissen neigte, wenn man etwas
an ihm machen wollte. Deswegen bekam er immer einen Maulkorb auf, wurde von
drei Leuten festgehalten und dann behandelt.
Also wir erst mal einen Maulkorb gekauft. Der lag dann erst mal ein paar Tage
bei uns rum.
Keiner von uns traute sich wirklich, ihn ihm überzuziehen.
Also widmete ich mich nach einer Woche erst mal den Verfilzungen. Pia hatte
da ja schon Vorarbeit geleistet. Ich nahm also die Schere, lobte ganz viel und
stopfte ihn mit Leckerlis voll.
Einwandfrei, er ließ sich alles ohne Murren und Knurren gefallen.
Dann sagte mein Mann ,dass mit dem Maulkorb wäre nichts, da Äeppel ihn
bestimmt nur mit schlimmen Sachen in Verbindung bringt.
Dann eines Morgens war ich mutig. Ich rief ihn, er setzte sich vor mich und
ich fing an seine Ohren zu kraulen, was ihm sehr gut tat. Sie quälten ihn
wirklich und er kratzte immer solange bis er vor Schmerz jaulte. Wärend ich
seine Ohren massierte, klappte ich sie vorsichtig um und massierte weiter und
dann schwuppdiwupp waren die Tropfen drin. Aeppel schüttelte sich nur
kurz. Dann gab's Lob und wieder Leckerli. Nach drei Behandlungen dieser Art
brauchte ich ihm die Tropfen nur zu zeigen und er kam und saß ganz still.
Mittlerweile können wir alles mit ihm machen. Mein Mann kann ihn sogar
hochheben. Auch Zeckenziehen und Baden ist kein Problem mehr. Am Anfang zeigte
er noch manchmal Abwehrschnappen, aber das ist auch weg.
Mit Meiner Hündin Sheila versteht er sich mittlerwile auch gut. Da er sehr
futterneidisch sein soll, sind sie auch zweimal aufeinander gekracht, aber
jetzt respektieren sie sich gegenseitig und keiner wagt sich mehr an das
Futter vom anderen.
Auch wir dürfen ihm alles wegnehmen, haben wir durch tauschen trainiert. Er
weiß, dass wir ihm nicht wirklich was wegnehmen und wenn bekommt er es
wieder oder was viel besseres.
Auch Draußen bei unseren Spaziergängen, hatten wir nie einen Vorfall wo er
Aggression gezeigt hätte.
Bis vor kurzem. Total dumme Geschichte.
Aeppel der sich wirklich lieb gegenüber Mensch und Tier gezeigt hat, hat
wieder gebissen.
Ich war mit beiden unterwegs als ein Radfahrer von hinten kam, den ich nicht
bemerkte.
Gehe sonst nämlich allem aus dem Weg und Aeppel hört wirklich vorbildlich an
der Schleppe.
Aeppel bemerkte ihn auch nicht und als der Radfahrer auf gleicher Höhe mit
ihm war und ich schon dachte, gleich fliegt der Fahrer auf die Nase, weil
Aeppel in ihn reinrennt, hatte er ihn schon am Oberschenkel. Das plötzliche
Auftauchen von dem Fahrer und mein wahrscheinlich leicht hysterisches
HIER, da ich den Radfahrer schon fallen sah, hat diese Reaktion wahrscheinlich
ausgelöst.
Gott sei Dank kennt der Mann mich von klein auf und er hat auch ganz super
reagiert.
Ich bin am nächsten Tag dann mit einem Gutschein für eine neue Hose zu
ihm und um zu fragen wie es ihm geht.
Er war nicht da, aber seine Frau tröstete mich, weil ich so aufgelöst war.
Ich ging dann mit den Hunden spazieren und da kam er mir in seinem Auto
entgegen, stieg aus und meinte er habe gehört, er müsse mich mal
beruhigen. Aeppel kam ganz freudig auf ihn zu und hat sich an ihn gedrückt.
Und er meinte auch, er sei ihm nicht böse und hat ihn gestreichelt. Toll von
ihm.
Pia,meinte wir sollen, wenn wir keine Angst haben, gebissen zu werden, ihn mal
von hinten erschrecken, wie er reagiert.
Haben wir heute gemacht.Keine Reaktion. Völlig cool.
Er hat sich Draußen auch noch nie aggressiv gezeigt, wenn Radfahrer oder
Jogger kamen.
Na ja,jetzt heißt es auch noch nach hinten die Augen auf zu halten.
Ich hab ihm auch einen weichen Nylon Maulkorb gekauft,den ich ihm im
Sommer an unübersichtlichen Stellen aufziehen werde.
Jetzt muss ich auf Sheila, Aeppel, Wild und von hinten kommende Radfahrer und
Jogger achten. Meine Sinne sind geschärft ohne Ende:-)
Ansonsten ist er wirklich ein so lieber Kerl, total ruhig und ausgeglichen
und verschmust.
Meinen Mann liebt er besonders. Und auch die Oma, die mit uns im Haus lebt, die
hat nämlich eine Riesendose Leckerlis. Und wenn sie aufsteht, wenn wir
arbeiten (meist schläft sie sehr lange), hält sich auch Aeppels
Trennungsgejaule in Grenzen.
Übrigens ist sein Fell mittlerweile wieder toll. Und der Kerle hat doch
tatsächlich eine lang befederte Rute. Sah am Anfang ganz kümmerlich aus, das
Schwänzchen.
Und die Begleithundeprüfung hat er mit seinem damaligen Besitzer auch
abgelegt.
Nutzt nur nicht viel, wenn er Wild in die Nase bekommt. Wir haben es einmal
probiert, das ging ganze fünfhundert Meter gut, wo er sich auch abrufen ließ.
Aber dann ging die Nase hoch und weg war er. Ganze 15 Minuten.
Bei Sheila war das am Anfang zwar auch so, aber sie blieb höchstens eine
Minute weg.
Da müssen wir noch dran arbeiten :-)
Eure Chantal mit Sheila und Aeppel