Asco
Vorgeschichte:
Asco wurde am 27.07.1986 ohne Papiere in Gelsenkirchen geboren. Seine Eltern waren „Nachbarn“ ... . Seine Geschwister und er wurden in der Nachbarschaft „verteilt“. Asco gelang zu einem älteren Ehepaar. Die ersten 5 Jahre lebte er im Garten in einem Zwinger. Die Hausbesitzer wechselten und er wurde vom Zwinger ins Dachgeschoss umgesiedelt, da die neuen Hausbesitzer etwas gegen Hunde hatten. Ganze 2 Jahre lebte er noch im Haus. Dann gaben seine früheren Besitzer verzweifelt dem Druck nach und annoncierten ihn schweren Herzens im Revier Mark.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Eltern endlich genug bearbeitet einen Hund zu kaufen. Doch in den umliegenden Tierheimen fanden wir keinen Hund auf den wir uns einigen konnten. Die Annonce hörte sich gut an. Wir schauten im Rasselexikon nach und die Rasse Großer Münsterländer gefiel uns auf dem Foto sehr. Vielleicht hätten wir die Stelle mit dem Jagdtrieb nicht ignorieren sollen??
Als wir die Wohnung betraten stand er vor uns: bellend, 6 Kilo Übergewicht, aber sehr freundlich. Nach einem langen Gespräch packten wir ihn am 27. November 1993 ins Auto.

Im neuen Zuhause:
Er bekundete seine Trauer nicht offen im Form von Winseln o.ä. Doch im Nachhinein weiß ich, dass er sich erst nach ca. 1 Jahr wirklich eingelebt hatte.
Asco schien der perfekte Anfänger-Hund zu sein: z.B. Klaute er nicht (egal wie tief die Weihnachtsteller standen), er machte sein Geschäft ordentlich im Gebüsch, er zog nicht an der Leine, er hatte normales Sozialverhalten, war wesensfest und immer freundlich zu Menschen.
Dieser Hund war im Haus eine Seele von einem Hund. Bis heute kann ich mir keinen angenehmeren Hund vorstellen.
Innerhalb kurzer Zeit hatte er dank Fahrrad fahren und langen Spaziergängen sein Gewicht von 36 Kg auf 30 Kg reduziert.
Das Jagdproblem:
Doch nicht nur durchs Fahrrad fahren selbst ... Asco jagte Hasen und Vögel. 30 Minuten Warten war keine Seltenheit. Immerhin hatte er das 7 Jahre seines Lebens gedurft. Im Unwissen, dass man einen 7-jährigen Hund nicht erziehen kann, habe ich es dabei belassen und darauf geachtet, dass meine Spaziergeh-Gebiete weit entfernt von Straßen und Schienen lagen. Im Nachhinein wundere ich mich immer noch, dass er immer zurückkam.
Auf Bornholm z.B. schwamm er mal bellend eine geschlagene Stunde hinter einer Ente her. Guckte am Anfang noch der ganze Kopf aus dem Wasser, lugten hinterher nur noch die Ohren, die Nase und die Augen aus dem Wasser.
Ein andermal wollte er eine Ente erreichen und sprang unvermittelt in Holland in eine Gracht. Mein Vater musste hinterher springen und ihn aus den Gittern einer Unterführung retten.
In Dänemark landete er in einer natürlichen Teergrube bei der Jagd auf ein Moorhuhn.
Einmal fand er ein Loch im Zaun einer Speditionsfirma. Als er ans Gebäude pinkelte, löste er den Alarm aus ...
Heiligabend sprang er in eine Jauche-Grube und stank trotz
mehrmaligen Baden und Parfümieren eine geschlagene Woche!
Diese Liste könnte ich um einiges Verlängern...
Läufige Hündinnen:
Doch nicht nur der Jagdtrieb bereitete Probleme- Durch die Tatsache bedingt, dass Asco 3 Mal Decken durfte, hatte er ein ausgeprägtes Gespür für läufige Hündinnen. Wochen vor der Hitze konnte ich den Hündinnen Besitzern/innen schon mitteilen, dass ihre Hündin bald läufig würde. Läufige Nachbarhündinnen machten Asco zu einem winselnden, freiwillig hungernden und stets weglauf- bereiten Hund. Da gab es keine ruhigen Nächte. Nicht selten hatte er sämtliche Blumentöpfe von den Fensterbänken geschmissen und zu Stammplätzen wurden die Türen und Fenster.
Bellen:
Alles, wirklich alles wurde mit Bellen kommentiert – bis
zu 15 Minuten am Stück. An dieser Stelle kann ich nur noch mal unseren verständnisvollen
Nachbarn ein Dankeschön aussprechen!
Das Alter:
Die Jahre verstrichen und keiner wollte Asco missen. Doch er wurde alt! Zuerst stellten wir nur einen Herzfehler fest. Mit täglichen Herzmedikamenten hatten wir das schnell im Griff. Nach und nach kam eine Diagnostik nach der anderen. Es fing mit Arthrose an, ging über Wasser in der Lunge und endete bei Krebs an den Analdrüsen mit 50 %-iger Lebenschance bei einer OP.
Wöchentlich besuchten wir den Tierarzt, doch am 04.06.1999 traf ich die derzeit schwerste Entscheidung in meinem Leben: Asco wurde eingeschläfert. Am selben Abend beerdigten wir ihn im Garten.
Im Nachhinein:
Jedem Anfänger in Sachen Hundehaltung kann ich nur
empfehlen mit einem alten Hund zu
beginnen. Was dieser Hund mir beigebracht hat,
ist unersetzlich. Er hat mir sehr viele Fehler verziehen, die bei einem Welpen
schwere Folgen gehabt hätten!
Klar, die Tierarztkosten waren zum Schluss enorm. Doch ich würde es nicht anders machen. Das einzige, was ich jetzt anders machen würde: Mich vorher mehr über die Rasse (oder die beteiligten Rassen bei Mischlingen) erkundigen, wenn ich einen bestimmte Hund im Auge habe oder mich vorher kundig machen, welcher Hund zu mir passt. Des weiteren würde ich vorher einige Bücher zum Thema Hundesprache, Hundehaltung und Hundeerziehung lesen – natürlich die wirklich sinnvollen Bücher. Hiermit möchte ich noch mal auf die Linkliste verweisen. Denn die meisten dort genannten Homepages enthalten hervorragende Büchertipps.

Asco und Benny (sein Patenwelpe)